Hellas-Komitee-Stuttgart

...γιατí η αλληλεγγúη ειναι πραξη αντιστασης ...denn Solidarität ist ein Akt des Widerstands 

Aktuelles

Projekt Rizomylos/Volos/Pilion

                          Eines von vielen Märtyrerdörfern in Griechenland

Maria B. von unserer Hellas-Solidaritätsgruppe wurde eines Tages nach ihren Wurzeln in Griechenland gefragt. „Ein Dorf in Thessalien, zwischen Larissa und Volos,“ war ihre Antwort. Einer wurde hellhörig, weil er die Gegend kennt und wollte es genauer wissen. Schnell stellte sich heraus, Marias Heimatort ist Rizomylos, ein Dorf mit rund 1500 Einwohnern und eines der ca. 100 Märtyrerdörfer und -städte in Griechenland.

 Mit dem Begriff Märtyrerdörfer und -städte Griechenlands (griechisch: Μαρτυρικά χωριά και πόλεις της Ελλάδας) werden in Griechenland seit 1998 Gedenkorte bezeichnet, in denen während der Jahre der deutschen Besetzung zwischen 1941 und 1944 in größerem Ausmaß Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung verübt wurden. Die Ereignisse werden durch ein wissenschaftliches Gremium historisch aufgearbeitet. Ein Präsidialdekret bestimmt dann über die Aufnahme in die Liste.

Während die Verbrechen von Wehrmacht und SS in den Orten Kalavrita, Distomo, Kommeno und Lingiades noch einigermaßen bekannt sind, ist in Deutschland das ungeheure Ausmaß der Massaker und des Besatzungsterrors in großen Teilen Griechenlands weitgehend unbeachtet geblieben.

Wir möchten den persönlichen Bezug von Maria nutzen und uns vor Ort über die Geschehnisse in Rizomylos informieren. Wie geht die Gemeinde mit ihrer Geschichte während der Besatzungszeit um? Gibt es noch Zeitzeugen? Wurden die Ereignisse historisch aufgearbeitet? Wie lässt sich das Geschehen in einen größeren regionalen und überregionalen Zusammenhang einordnen? Gab es staatliche Hilfen, Zeichen der Anteilnahme, Entschädigung der Opfer von Seiten deutscher Institutionen? Seit langem gibt es im Dorf Pläne für ein Denkmal für die Opfer von Besatzung und Widerstand. In Zeiten der Krise fehlt aber das Geld für eine würdevolle Gedenkstätte.

Eine kleine Gruppe von uns wird in den Pfingstferien ( 19. Mai bis 3. Juni 2018) nach Rizomylos reisen. Neben den persönlichen Begegnungen dort werden wir auch drei weitere Märtyrerdörfer in der Region um Volos besuchen und anderen Spuren von Besatzung und Widerstand in dieser Gegend nachgehen. Lampros Ath. Bokas, ein Nachbar von Maria, hat sich intensiv mit der Geschichte des Dorfes beschäftigt und möchte ein Buch darüber veröffentlichen. Darin wird ein wichtiger Teil auch der Zeit der Besatzung und des Widerstandes in Rizomylos und in der Region Volos/Pilion gewidmet sein. Lambros wid uns als kompetenter Führer bei unseren Erkundungen in der Region begleiten.

Weitere Teilnehmer, auch zu einzelnen Unternehmungen, sind willkommen. In der schönen Pilionregion kann man auch sehr gut am Meer Urlaub machen und in den Bergen wandern.

Genaueres wollen wir bei unseren nächsten Treffen festlegen.

Nächster Termin: Dienstag, 17. April, 19.00 Uhr im Restaurant Friedenau, Stgt.-Ost

 

Märtyrerdorf Rizomylos,                       Gemeinde Karlas, Präfektur Magnesia (1943)

Autor: Lampros Ath. Bokas,            März 2012  

Rizomylos ist ein Dorf in der Präfektur Magnesia. Seine umtriebigen Einwohner entwickeln sich in allen Bereichen des modernen Lebens, sind aber auch gleichzeitig mit den Traditionen des Ortes verbunden. Historisch gesehen gibt es Rizomylos als bewohntes Dorf seit ungefähr drei Jahrhunderten. Mit seinem heutigen Namen ist Rizomylos in der „Charta“ des Rigas Fereos erwähnt, die im Jahr 1797 herausgegeben wurde.

Die Einwohner des Dorfes sind durch eine ungewöhnlich große Teilnahme an den Widerstandskämpfen gegen die italienischen und deutschen Besatzer in den Jahren 1941 bis 1944 hervorgetreten. Nach einem Beschluss des Vorstandes der Gemeinde Karlas ist der 23. März als Gedenk- und Ehrentag für die Kämpfer und die Opfer bestimmt worden. Es ist deshalb sinnvoll und geboten, am heutigen 23. März an die Chronik der Katastrophen zu erinnern, die unser Dorf unter der italienisch-deutschen Besatzung 1941 bis 1944 erlebt und erlitten hat.

Rizomilos lag in der Schnittstelle der Widerstandsgruppen der drei Bergregionen Orthrios –Mavrovouni und Pilion. Die Widerstandsgruppe von Rizomylos war die Verbindung zwischen ihnen. Am 21. März 1943 wurde in der Nähe des Dorfes von den Widerstandsgruppen von Velestino und Rizomylos (Gruppe Karaiskaki „Larisinou“) ein Sabotageakt organisiert. Ein Zug mit Waffen, Munition und Versorgungsgüter für die Besatzer sollte in der Nacht von 22. auf 23. März die Gegend passieren. Die Information für die Durchfahrt des Zuges kam von einem Bahnangestellten des Ortes Ermolao Papaforiu an Michail Papadam („Fereo“). Dieser setzte die Partisanen der Gegend in Bewegung. Nach einer Besprechung hat dann der Bahnangestellte Charalabos Arabatzis den Auftrag übernommen, einen Gleisabschnitt zu zerstören, damit der Zug entgleist. An dieser Stelle hatten sich dann hunderte Menschen mit Karren und Mulis eingefunden, um die Versorgungsgüter abzutransportieren. Die Partisanen nahmen die Wachsoldaten gefangen und nachdem sie das Versorgungsgut verladen hatten, setzten sie den letzten Waggon, der mit Munition beladen war, in Brand. Die dadurch ausgelöste Explosion richtete großen Schaden am Bahnkörper an. Somit war die Versorgungsstrecke der Besatzer für zwei Wochen unterbrochen.

Am nächsten Tag begannen rund 1000 italienische Soldaten in den umliegenden Dörfern mit Vergeltungsmaßnahmen. Zuerst wurde Rizomylos mit Artillerie beschossen und dann von Truppen eingenommen.

Nach einem eindringlichen Aufruf der Widerstandsorganisationen hatten die meisten Einwohner vor Anbruch des Tages das Dorf verlassen und versteckten sich in den Hügeln westlich und südöstlich davon. Diejenigen, die das Dorf nicht rechtzeitig verlassen konnten, wurden von den Italienern erschossen. Die Besatzer töteten alle Tiere und zertrümmerten wahllos, was ihnen unter die Augen kam. Schließlich wurden alle Wohnhäuser, öffentliche Gebäude, Lager und Ställe mit Öl oder Benzin übergossen und angezündet. Dabei wurde auch das Archiv des Ortes vernichtet. Die Geflüchteten mussten von den Hügeln aus tatenlos mit ansehen, wie alles zerstört wurde, was sie in ihrem Leben mit viel Mühe aufgebaut und erwirtschaftet hatten.

Doch damit nicht genug. Nur wenige Wochen später, am Karfreitag des Jahres 1943, wurde Rizomilos völlig unerwartet von den Deutschen mit Artillerie beschossen. Anschließend drangen die Besatzer in das Dorf ein und nahmen Athanasios Tsogaris und Dimitrios Konstadelos als Geiseln. Sie wurden nach Deutschland in Konzentrationslager deportiert. Theofanis Romfeas wurde verhaftet und so schwer gefoltert, dass er für den Rest seines Lebens körperlich und geistig krank war.

Anfang September 1943 griffen Partisanen aus Rizomylos und Umgebung eine deutsche Autokolonne in dem Ort Roumani zwischen Rizomylos und Velestino an. Nach einem mörderischen Kampf flohen die Deutschen nach allen Richtungen in die Felder. Zwei von ihnen wurden in Rizomylos getötet.

Am 9. September kam eine Abteilung der Wehrmacht in das Dorf, das von den Einwohnern vollständig verlassen war. Es wurde alles zerstört und niedergebrannt, was die Dorfbewohner seit dem Brand vom 23. März inzwischen notdürftig wieder aufgebaut hatten.

Ende August 1944 sprengte eine Partisanengruppe im Bereich „Ikosoria“ von Rizomylos die Bahnlinie Volos – Larissa. Dadurch wurde der Nachschub der Besatzer mit Waffen und Versorgungsgüter erneut empfindlich getroffen.

Auf Grund des ungebrochenen Widerstandes drangen die Okkupanten immer wieder überfallartig  in das Dorf ein. Sie ermordeten kaltblütig und wahllos Bewohner, derer sie habhaft werden konnten und brannten die noch nicht abgeernteten Felder und Plantagen nieder. Da sie das Dorf offensichtlich total zerstören und unbewohnbar machen wollten, flohen die Überlebenden und versteckten sich weit entfernt von ihrem Ort, bis die Deutschen Ende Oktober 1944 abgezogen waren.

Unter welch erbärmlichen Verhältnissen die Menschen damals als Folge von Krieg und Besatzung leben mussten, zeigt dieses Foto von 1946 aus Kanalia, einem Nachbardorf von Rizomylos.

„1946, Frau aus Kanalia. Deutsche hatten ihr Haus zerstört. Zusammen mit ihrem Mann und drei Kindern lebt sie in diesem ‚Haus‘.

Η Μαγνησία στο Πέρασμα του Χρόνου 477*. Γυναίκα έξω από το“σπίτι” της (Καναλια Μαγνησίας, 1946) της Βούλας Παπαϊωάννου

 Alle diese Ereignisse, die Beweise für die Einordnung des Dorfes als Märtyrerdorf darstellen, sind im Beschluss des Gemeinderates von Rizomylos vom 3. Juli 1945 dargelegt.  Er war die Antwort auf eine Anfrage des Ministeriums für Gesundheit und Soziales. Der Vorsitzende Nikolaos Stathopoulos und die Mitglieder des Gemeinderates Theodoros Bosas, Konstantinos Gratsoulas, Georgios Theocharis und Georgios Ivanouolis haben damals mit ihren Antworten an das Ministerium praktisch die Geschichte von Rizomylos während der italienisch-deutschen Besatzung geschrieben.

Sekretär des damaligen Gemeinderates war Georgios Karabutakis und das Protokoll des Beschlusses, mit Feder und Tinte geschrieben, ist ein historisches Dokument unserer Gemeinde. In ihm ist unter anderem festgehalten:

  •  293 zerstörte Häuser, ohne Ställe und Scheunen.
  •  Einwohnerzahl: 1437 Personen.
  •  Völlig zerstörte Häuser: 280.
  •  Teilweise zerstörte Häuser: 8.
  •  Häuser, die repariert werden können: 42.
  •  Die Menschen wohnten praktisch im Freien oder in provisorisch gebauten Unterkünften, die  nicht für den Winter geeignet waren.
  •  Die Gemeinde war durch mehrfachen Artilleriebeschuss und Brandschatzung zerstört: Am 23. 3. 1943 von den italienischen und am 9. 9. 1943 und am 6. 9. 1944 von den deutschen Besatzern.
  •  Die Todesursachen der Einwohner 1940 bis 1945: 60 starben eines natürlichen Todes und 29 wurden von den Besatzern umgebracht.
  •  In derselben Zeit gab es 30 Kriegsopfer.

Der Widerstand der Einwohner von Rizomylos und ihr Beitrag zum Sieg der Alliierten wurde auch vom Volk und der Regierung von Neuseeland anerkannt, die ein Dankesschreiben an die Gemeinde gesandt haben. Die Gemeinde ist stolz auf diesen Brief. Er ist im Büro des Gemeinderats aufgehängt.

 Mit dem Erlass 99/2000, der in der offiziellen Regierungszeitung 97 A / 16.03.2000 veröffentlicht wurde, ist Rizomylos als Märtyrerdorf anerkannt.

So hat der Staat die Bürger von Rizomylos geehrt und in die Reihe der Kämpfer für die Unabhängigkeit Griechenlands aufgenommen.

 Es zeigt sich wieder einmal, dass Ereignisse, die lange Zeit scheinbar vergessen waren, zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder wichtig werden und dass der mutige Kampf einfacher und verzweifelter Menschen gegen die unmenschlichen faschistischen Besatzer anerkannt und geehrt wird.

 Die oben genannten Tatsachen haben wir durch umfangreiche Recherchen für unser Dorf zusammengetragen. Wir schlagen aber vor, dass durch einen Kongress die Geschichte unseres Dorfes vertieft aufgearbeitet werden soll. Wissenschaftler, Historiker und Volkskundler sollen eingeladen werden, die uns weitergehende Informationen liefern können. Sie werden die Ereignisse in unserem Dorf in den größeren Zusammenhang des regionalen und nationalen Widerstandes einordnen.

 Des Weiteren soll ein Denkmal im Dorf errichtet werden, das wir uns seit vielen Jahren wünschen. Es sollte die Namen von den Kämpfern und Opfern des nationalen Widerstandes gegen die italienischen und deutschen Besatzer enthalten:

17 Opfer, die ermordet wurden.                                                                                                                        2, die in Konzentrationslager nach Deutschland verschleppt wurden und                                                   17, die in Konzentrationslager der Nazis in Griechenland (z.B. nach Chaidari bei Athen) gebracht wurden.                                                                                                                                       Wünschenswert wäre auch ein weiteres Denkmal oder eine Gedenktafel an der Stelle, wo der Zug gesprengt und die Bahnlinie unterbrochen wurde.

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 "... eine besonders widerwärtige Form von Habgier"

Übt Innenminister Thomas de Maizière radikale Kritik am Kapitalismus?

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters im Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am 11. April 2017 empörte sich Innenminister Thomas de Maizière in seiner Stellungnahme in der Tagesschau  über das Tatmotiv: "Dass jemand sich bereichern wollte, indem er die Börsenkurse dadurch beeinflusst, dass er Menschen umbringt, ist eine besonders widerwärtige Form von Habgier und erfüllt voll den Mordparagrafen."

Der Bundesrepublik haben die Finanztransaktionen bei der Vergabe von Krediten an den griechischen Staat seit Beginn der Wirtschaftskrise satte Gewinne beschert. In Griechenland explodierten im gleichen Zeitraum aufgrund der Zins- und Tilgungszahlungen an die Kreditgeber die Schulden. Im Zuge der eingeleiteten Sparmaßnahmen versanken weite Teile der Bevölkerung in Armut. Sie können sich eine angemessene Gesundheitsversorgung nicht mehr leisten. Ihr Leben ist bedroht aufgrund von Finanzspekulationen zugunsten der deutschen Staatskasse.

Wegen des Gesundheitsnotstands als Folge der Austeritätspolitik starben in Griechenland seit Ausbruch der Krise 2008 bis zu 50 000 Menschen, wie aus einem Bericht von Solidarity4all hervorgeht. Krebspatienten haben schlechte Karten: Viele Krankenhäuser können aus Geldmangel keine Chemotherapien mehr verabreichen. Die Selbstmordrate auf Grund von Arbeitslosigkeit und finanziellem Bankrott vervielfältigte sich. 

In Entwicklungsländern lösen Finanzspekulationen internationaler Großbanken auf Nahrungsmittel Hungerkatastrophen aus. Werden Bankmanager und Börsenspekulanten als Gefährder deshalb vom Bundeskriminalamt überwacht? Werden neoliberale Konzernlenker observiert? Ist der deutsche Finanzminister vom Mordparagrafen bedroht? Keineswegs. Wolfgang Schäuble fordert unverdrossen und mitleidslos weiteren Sozialabbau zu Lasten der griechischen Bevölkerung.

Mit Einsicht ist nicht zu rechnen. Und Kapitalismus als besonders widerwärtige Form der Habgier übersteigt wohl die Vorstellungskraft des Innenministers.

 

Drohende Schließung der Solidarklinik Kalamata 

Protestschreiben an den Bürgermeister von Kalamata, Herrn Panagiotis Níkas

 Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

 Mit großer Bestürzung haben wir gehört, dass die von uns seit Jahren unterstützte Sozialklinik von Kalamata geschlossen werden soll. Das ehemals baufällige Gebäude ist in kostenloser Eigenarbeit von ehrenamtlichen Helfern instand gesetzt worden.

Der Klinik soll nun in weniger als 2 Wochen (am 27. März 2017) der Strom abgestellt werden, ohne dass ihr adäquate Räume von genügender Größe angeboten oder entsprechende Vorschläge der Sozialklinik ernsthaft diskutiert wurden. Die Sozialklinik hat sich im Raum Stuttgart einen Ruf als  gelungenes Beispiel für Selbsthilfe in Krisenzeiten erworben, wovon sich bei Besuchen auch Gewerkschaftsmitglieder von uns vor Ort überzeugen konnten.

 Da Sie, Herr Bürgermeister, es allein in der Hand haben, appellieren wir an Sie, der Sozialklinik Räume im Stadtzentrum von Kalamata zu überlassen, damit die Klinik die nach wie vor wichtige Arbeit unter den Bedürftigen in Kalamata fortsetzen kann.

 Mit freundlichen Grüßen

  • Cuno Brune-Hägele, Geschäftsführer Ver.di Bezirk Stuttgart, Willi-Bleicher-Str.20 70174 Stuttgart
  • Hellas-Solidaritätskomitee Stuttgart, www.hellas-komitee-stuttgart.de 

Mahnwache des Hellaskomitees am 27. März 2017 vor dem Katharinenhospital in Stuttgart gegen die drohende Schließung der Solidarpraxis in Kalamata.




Proteste in Chania gegen die Übernahme des Flughafens durch Fraport

Von Ralf Kliche
Am Sonntag (12.03.2017) wurden die Proteste in Chania auf Kreta gegen den Ausverkauf der griechischen Regionalflughäfen an Fraport fortgesetzt. Nach einer Demonstration mit vorwiegend schwarzen Fahnen aus der Stadt zum Flughafen übergaben die Demonstranten dort eine Protestnote, die auch als Presseerklärung veröffentlicht wurde: „Presseerklärung der offenen Bürgerinitiative gegen Abtretung des Flughafens Westkretas ‚I. Daskalogiannis‘: Unsere Initiative befindet sich heute in der erfreulichen Lage, die dritte in einer Reihe von erfolgreichen Demonstrationen gegen die Abtretung des Flughafens von Chania und Westkreta – wie auch der 13 anderen Regionalflughäfen dieses Landes – durchzuführen…“
(Quelle)Die Demonstranten führten Fahnen mit dem Porträt des kretischen Freiheitshelden von 1770, Ioannis Daskalogiannis, mit sich, nach dem der Flughafen benannt wurde. Im Flughafengebäude wurden dann kretische Freiheitslieder und die Nationalhymne gesungen. In ihrer Protestnote forderte die Bürgerinitiative von den parlamentarischen Vertretern, die kolonialistische Konzessionsvergabe an Fraport zu beenden und den Flughafen stattdessen, als öffentliches/staatliches Unternehmen nach nicht-klientelistischen Prinzipien fortzuführen. Sie kündigte auch weitere Mobilisierungen und Aktionen an. Weiterlesen

Preisverleihung an Arzt aus solidarischer Praxis in Elliniko/Athen

Veröffentlicht am 15. Oktober 2016 von georgbrzoska   Am 14. Oktober wurde in Nürnberg auf dem alle 5 Jahre stattfindenden Kongress „Medizin und Gewissen“ der IPPNW (Internationale Ärzte zur Prävention des Atomkriegs) der Medical Peace Work Award von IPPNW und Medical Peace Work an Giorgos Vichas von der Metropolitan Community Clinic Elliniko/Athen verliehen. Ca. 300 Teilnehmer des Kongresses reagierten auf seine Rede mit standing ovations. Das Thema der medizinischen Versorgung in Griechenland und tödliche Auswirkungen der Austeritätspolitik war endlich wieder in den Debatten der kritischen MedizinerInnen präsent.

Laudatio von Nadja Rakowitz für Giorgos Vichas:

„Es ist mir persönlich ein Herzensanliegen und als Geschäftsführerin des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte Freude und Genugtuung, heute anlässlich der Verleihung des Medical Peace Work Awards die Laudatio für Dr. Giorgos Vichas halten zu dürfen.
Friedenspreise werden verliehen, weil Krieg herrscht. Wahrscheinlich denken wir alle hier im Raum bei dem Wort Krieg an die schrecklichen Bilder aus Syrien. Bilder, die so übermächtig sind, dass sie andere Probleme in den Hintergrund treten lassen.
Wir wollen heute Abend aber nicht über den Krieg Syrien sprechen, sondern über strukturelle Gewalt in Europa. Giorgos Vichas arbeitet nämlich nicht in Homs, in Damaskus oder Aleppo. Er arbeitet in Athen, im Herzen Europas. Dort, wohin viele Menschen aus dem Krieg in Syrien hin geflohen sind oder besser gesagt: wo viele Menschen aus Syrien im Moment gestrandet sind, weil die EU ihnen auf ihrer Suche nach Zuflucht hier eine Grenze gesetzt hat. Sie erfahren in Griechenland, wo sie eigentlich nicht bleiben wollten, nicht nur Schutz vor einem barbarischen Krieg, sondern auch eine Welle von praktischer Solidarität. Solidarität von einer Bevölkerung, die seit mehreren Jahren selbst durch die schlimmste Krise seit dem zweiten Weltkrieg geht.
Von Krieg ist seit Ausbruch, nein man muss sagen: seit der politisch bewusst herbeigeführten Zuspitzung der Krise auch in Griechenland öfters die Rede. Gesundheitswissenschaftler rechnen vor, dass das Ausmaß der Zerstörung im griechischen Gesundheitssystem zwischen den Jahren 2010 und 2015 so sonst nur aus Kriegszeiten bekannt ist.
Aber auch viele Menschen in Griechenland benutzen das Wort Krieg, sie sagen, sie fühlten sich „wie im Krieg“ oder zumindest wie kurz nach einem Krieg. Weiterlesen

Einmal gute Karten für Tsipras

Veröffentlicht am 3. Oktober 2016 von georgbrzoska

Expertenkommission zu Arbeitsgesetzen macht fortschrittliche Empfehlungen.       Wie reagiert die Quadriga?

Am 30. September 2016 präsentierte der griechische Arbeitsminister Giorgos Katrougalos den Bericht der internationalen Expertenkommission über die griechischen „Arbeitsmarkt-Institutionen“. Es wird ihm ein Genuss gewesen sein, fiel der Bericht doch unerwarteter weise in seinem Sinne aus. Noch vor zwei Wochen hatte Katrougalos den IWF scharf angegriffen. Der IWF fordert nämlich, das Recht von Arbeitnehmer*innen, kollektiv Arbeitsverträge auszuhandeln, noch weiter zu stutzen. Katrougalos sagte, dass die griechische Regierung dieses Recht wiederherstellen will. Es gehöre zum Kern des europäischen Sozialmodells. Er sprach auch aus, dass der IWF als Hardliner in dieser Frage eine Einigung blockiert. Weiterlesen →

Griechenland: Ansprüche an die BRD

Parlamentsbericht verlangt Reparationen
von Paul Michel

Ein Ausschuss des griechischen Parlaments hat Ende Juli den lang erwarteten Bericht über die griechischen Reparationsforderungen gegenüber Deutschland fertiggestellt. Anfang September soll es darüber im griechischen Parlament zu einer Abstimmung kommen.
Der Abschlussbericht des Ausschusses listet die bis heute offenen Ansprüche auf Reparationen und Entschädigungen auf. Demnach kann Athen «Reparationen für materielle Kriegsschäden und beschlagnahmte Waren» beanspruchen, darüber hinaus die Rückzahlung einer Zwangsanleihe, die die deutschen Besatzer Griechenland abpressten, außerdem Entschädigungen für Opfer deutscher Kriegsverbrechen und ihre Angehörigen.

Die Entschädigungsansprüche von Privatpersonen belaufen sich dem Parlamentsbericht zufolge «auf mehr als 107 Milliarden Euro ohne Zinsen». Der heutige Wert der damaligen NS-Zwangsanleihe wird gewöhnlich auf etwas mehr als 10,3 Milliarden Euro beziffert. Die Bundesrepublik schulde Griechenland zudem bis heute 9,2 Milliarden Euro an Reparationen aus dem Ersten Weltkrieg. Insgesamt ergeben sich daraus Reparations- und Entschädigungsforderungen in Höhe von 269 Milliarden Euro.

Der Abschlussbericht enthält auch Handlungsvorschläge für die griechische Regierung. Zunächst soll eine griechische Parlamentarierdelegation die Abgeordneten im Bundestag und in den Parlamenten anderer Staaten über die Ansprüche informieren. Die Athener Regierung soll Berlin in einer Verbalnote zu Verhandlungen auffordern. Zudem sei das Europaparlament einzuschalten; die Auseinandersetzung könne auch vor die Vereinten Nationen gebracht werden. Bleibe die Bundesregierung uneinsichtig, dann müsse der Rechtsweg eingeschlagen und der Internationale Gerichtshof in Den Haag eingeschaltet werden. Auch müsse Athen die Möglichkeit in Betracht ziehen, bereits bestehende Urteile griechischer Gerichte durch die Beschlagnahmung deutscher Liegenschaften in Griechenland umzusetzen.

Die griechische Justiz hat überlebenden Opfern deutscher Kriegsverbrechen in Distomo, Egio und Rethymno im Grundsatz Entschädigungen zugesprochen, kann die Realisierung ihrer Urteile allerdings nicht erzwingen – die einzige Möglichkeit dazu wäre die Übernahme etwa des Athener Goethe-Instituts in griechischen Besitz, um die Opfer aus dem Erlös zu entschädigen. Aufgrund massiven politischen Drucks aus Deutschland hat die griechische Regierung dies bislang unterlassen.

Ministerpräsident Tsipras erklärte anlässlich einer Gedenkveranstaltung zu Ehren der 317 zivilen Opfer des Wehrmachtmassakers in Kommeno, man werde «alles Notwendige» tun, um Reparationen von der Bundesrepublik Deutschland zu erreichen: «auf diplomatischer und falls nötig auf gerichtlicher Ebene». Auf die vom Untersuchungsbericht genannten Vorschläge ging Tsipras nicht ein.

Die Bundesregierung lehnt grundsätzlich jede Forderung nach Reparationen an Griechenland ab. Sie vertritt den Standpunkt, die Reparationsfrage sei «politisch und juristisch abgeschlossen» (siehe SoZ 7/2011 und 5/2015). Wenn Tsipras seinen Worten («Wir werden bis zum Schluss kämpfen») auch Taten folgen lässt, stehen wir vor einer wichtigen Auseinandersetzung. Vermutlich kommt es von Seiten der herrschenden Kreise der BRD zu einer Wiederholung der Hetz- und Schmutzkampagne aus dem vergangenen Jahr. Hier sind die deutschen Griechenlandsolidaritätsgruppen und die gesamte Linke gefordert, dem Paroli zu bieten.                                                                                                Aus: Sozialistische Zeitung, Nr. 9, September 2016

11.09.2016 Tsipras fordert Schuldenreduzierung bis zum Jahresende. Weiterlesen

Autoritär sind immer die Anderen - Zur "Griechenland-Rettung" Kolumne bei SPIEGEL ONLINE

http://www.spiegel.de/wirtschaft/griechenland-rettung-autoritaer-sind-immer-die-anderen-a-1108189.html

Griechische Wirtschaft im 2. Quartal 2016 erneut geschrumpft (englisch, 11.8.2016)

http://www.ekathimerini.com/211166/article/ekathimerini/business/eurobank-sees-further-economic-contraction-in-q2